Interview

Ein historischer Ort für den LTV Sachsen – am 5. April 1991 wurde auf der Bastei im Berghotel der Landestourismusverband Sachsen gegründet. Genau wie der Verband feiert die Berghotel Bastei GmbH dieses Jahr ihr 25. Jubiläum. Wir haben uns deshalb mit Dieter Schröter, dem Geschäftsführenden Gesellschafter der Berghotel Bastei GmbH in seinem Hotel getroffen, um mit ihm einen Blick auf die letzten 25 Jahren im sächsischen Tourismus zu werfen. Im Interview spricht Dieter Schröter aber auch über die Zukunft des Tourismus in Sachsen, über die zunehmende Digitalisierung der Gesellschaft und dem Fachkräftemangel im Hotel- und Gastgewerbe.
 
Das Berghotel Bastei ist der Gründungsort des Landestourismusverbandes Sachsen. Hier begann 1991 alles. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem Gründungsjahr des LTV Sachsen?
Dieter Schröter:
Ich war damals noch in leitender Funktion in einem anderen Unternehmen tätig und habe so den Gründungstag des LTV Sachsen nicht direkt vor Ort miterleben können. Ich erinnere mich aber an eine Zeit des Umbruchs, der Veränderungen und des Neubeginns. Es war auch eine Zeit des Lernens. So war die Gründung eines Verbandes, der sich speziell mit der Entwicklung des Tourismus in Sachsen und seinen Regionen befasst für alle Beteiligten Neuland und damit gleichzeitig eine spannende Herausforderung.
Ich glaube, es war eine sehr aufbruchreiche Stimmung, geprägt von den neuen Aufgaben, vielen Ideen, einer unbändigen Leistungsbereitschaft und Willenskraft, damals auf der Bastei.
Übrigens gründete sich im Jahr 1991 auch die Berghotel Bastei GmbH der ich seit nunmehr 18 Jahre als Geschäftsführender Gesellschafter vorstehe.
 
Der Tourismus in Sachsen hat sich entwickelt und verändert. Wie sehen Sie diese Entwicklung?
In den letzten 25 Jahren hat sich tatsächlich viel verändert. Was sich aus meiner Sicht nicht geändert hat, ist der Grundsatz, aus diesem Land Sachsen touristisch etwas ganz Besonderes zu machen. Mit der Gründung des Landestourismusverbandes Sachsen, den regionalen Tourismusverbänden und des Sächsischen Hotel- und Gaststättenverbandes wurden gleichzeitig Grundstrukturen entwickelt, die erstmals ein einheitliches Handeln und die Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen der Tourismuswirtschaft und der Hotellerie/ Gastronomie ermöglichten.
Der LTV in Verantwortung für den sächsischen Tourismus hat Sachsen sehr erfolgreich als anerkanntes Tourismusland platziert. Wir konnten uns in viele Projekte und Aufgaben einbringen und somit unseren regionalen Beitrag vor Ort leisten.
 
Wie fällt Ihr Fazit für das Berghotel Bastei aus?
Mit der Antwort auf diese Frage könnte man ein ganzes Buch füllen. Seit 200 Jahren gibt es die Bastei. Auch ein solch „alter“ Besuchermagnet musste sich Anfang der 1990er Jahren einer Vielzahl von Veränderungen stellen. Es wurden die ersten Schritte auf dem freien Markt getan, dass Marketing bildet seit dieser Zeit eine zentrale Rolle. Angefangen bei der Hardware der Gebäude und Anlagen, die natürlich noch nicht in dem Top Zustand waren, wie wir sie heute vorfinden, bis hin zu einer erfolgreichen Unternehmensführung – das alles waren Dinge, die wir unter den Bedingungen des täglichen Lernens umsetzten mussten.
Die Bastei mit ihren 800 Hektar -Areal zählt mit  jährlich 1,5 Mio. Besucher zu den meistbesuchten Destinationen in Deutschland. Schon daraus ergibt sich  eine hohe Verantwortung, die man als Wirt und Hotelier mit seinen Mitarbeitern hat. Für jeden Besucher hier oben sind wir immer auch Vertreter des Gastronomie- und Beherbergungsbranche und des sächsischen Tourismus, speziell der Sächsischen Schweiz. Und die Lage im Kerngebiet des Nationalparks Sächsische Schweiz mit ihrer Verantwortung für Umwelt und Natur macht die Aufgabe auch nicht leichter.
In den letzten 25 Jahren haben wir mehr als 8,0 Millionen Euro in die Ausstattung, Modernisierung und Werterhaltung der Gebäude und Anlagen investiert, sie moderner und umweltfreundlicher gestaltet. Mit einem stabilen Team von 90 Mitarbeitern bewältigen wir tägliche neue Herausforderungen und Aufgaben eines 4 Sterne Hotels mit umfangreichen Gastronomie- und Freizeitangeboten. Die erfolgreiche Teilnahme an der Initiative „ServiceQualität Deutschland“ unterstreicht dabei unseren hohen Anspruch der Gästebetreuung.
 
In welche Richtung wird sich der Tourismus zukünftig entwickeln und welche Herausforderungen sind für Sie erkennbar?
Durch Internet und soziale Medien befinden wir uns schon jetzt ständig im europa- und weltweiten Wettbewerb um unsere Gäste. Wir beobachten neue Tendenzen und Ideen, wie den boomenden Kreuzfahrttourismus oder spezielle kinderfreie Programme. Vereinzelte negativen Tendenzen in unser Gesellschaft schaden dem Ansehen des Freistaates in Deutschland und darüber hinaus. Davon dürfen wir uns nicht beeinflussen lassen. Es gilt, das positive Bild von Sachsen herauszustellen und europaweit durch Imagewerbung zu stärken. Wir müssen uns am Markt behaupten und unsere Werte präsentieren. Damit meine ich nicht nur die historischen Werte, sondern auch moderne Errungenschaften im Land müssen im Außenmarketing optimal platziert werden. Das passiert heute in erster Linie über die sozialen Medien und das Internet.
Eine weitere Herausforderung sehe ich in der demografischen Entwicklung und damit einhergehend in der Arbeitskräftesituation, insbesondere in den gastgewerblichen Berufen. Hier muss es uns gelingen, diesen Berufen wieder mehr Anerkennung zu verschaffen und den Facettenreichtum der Berufe deutlich zu machen. Nicht zuletzt dafür finanziert das Berghotel Bastei verschiedene Projekte im Jugendsportbereich mit dem Ziel, Jugendlichen unsere Häuser und Ausbildungsberufe vorzustellen. Mit einer stärkeren Lobbyarbeit für den Dienstleistungssektor und weniger Bürokratie bei der Förderung spezieller Ansiedlungs- und Bildungsprogramme sollte es möglich sein, die problematische Arbeitskräfte- und Ausbildungssituation insgesamt zu entspannen.
 
Möchten Sie uns etwas über die Pläne für das Berghotel Bastei verraten?
In einem großen gastgewerblichen Betrieb, wie es das Berghotel Bastei ist, besteht ein ständiger Investitionsbedarf, insbesondere an Gebäuden und Anlagen. Erst vor wenigen Wochen wurde von uns eine hochmoderne Kläranlage gebaut. Im Bereich Wellness waren wir schon in der Vergangenheit Vorreiter in der Sächsischen Schweiz. Seit geraumer Zeit planen wir diesen Bereich durch einen Innenpool zu erweitern. Wir möchten weiterhin vernünftige Produkte zu vernünftigen Preisen anbieten. Dabei stellen wir die Qualität und das was man besser machen kann  in den Mittelpunkt unserer Arbeit.  Die Verbundenheit zur Region wird auch weiterhin ein wesentliches Merkmal unserer Gastronomischen Ideen sein. Nicht zuletzt arbeiten wir derzeit auch daran für unser Unternehmen eine  Nachfolgestruktur zu entwickeln mit dem Ziel, die erfolgreiche
Entwicklung der letzten Jahre fortzuführen.
Von den Herausforderungen, die das digitalen Zeitalter mit sich bringt, hatte ich schon kurz gesprochen. Die weltweite Vernetzung, die Digitalisierung der Gesellschaft stellt uns vor immer neue Aufgaben, denen wir uns täglich stellen. Das klassische Marketing wurde längst von Online-Buchungen direkt im Haus oder über Buchungsportale abgelöst. Heute generieren wir bereits über Zweidrittel aller Reservierungen online. Alle Zimmer am Markt zu platzieren, ständige Aktualisierung der Angebote und attraktive Gestaltung der Präsentationen bis hin zum WLAN-Angebot im gesamten Haus, das sind neben den anderen Aufgaben die Herausforderungen der digitalen Zukunft.

Link zum Interview auf der Seite des LTV Sachsen

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